«Morgen zahle ich»: Kunden und Lieferanten erheben Vorwürfe gegen «Heuboden»-Chef

Gegen die Heubodenevent AG in Holzhäusern sind in den letzten Jahren zahlreiche Betreibungen eingegangen. Vier Betroffene schildern negative Erfahrungen mit Geschäftsführer Matthias Werder. Dieser weist die Vorwürfe zurück und kündigt eine Veränderung an.

Wie unsere Zeitung Anfang Juni berichtete, führt das Eventlokal Heuboden in Holzhäusern künftig keine öffentlichen Anlässe mehr durch. Dies aufgrund zu grossen Aufwands und einer schlechten Rezension auf Google. Nun liegt der Zuger Zeitung ein aktueller Betreibungsregisterauszug der Heubodenevent AG vor. Darin finden sich insgesamt fast 30 Einträge seit 2022, darunter auch Konkursandrohungen des Kantons sowie der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Vier Personen, welche als Privatperson oder mit ihrer Firma auf dem Auszug zu finden sind, berichten von ihren negativen Erfahrungen mit dem Chef des «Heuboden», Matthias Werder. In ihren Erzählungen zeichnet sich ein klares Muster ab.

Silvan Keller* hat sich bei unserer Zeitung gemeldet. Er und seine Partnerin hatten vor, im «Heuboden» zu heiraten. Im Juni 2024 habe das Paar dort angefragt und wurde im Juli zu einer Besichtigung der Lokalität eingeladen. Im Anschluss an den Rundgang besprachen sie erste Details zur Hochzeit mit einer Mitarbeiterin. Diese habe dem Paar noch am selben Tag eine Richtofferte von nicht ganz 30’000 Franken geschickt.

«Wir wussten damals noch nicht genau, wie viele Gäste wir einladen würden. Auch hatten wir noch keine genaue Vorstellung vom Ablauf. Die Mitarbeiterin wollte uns zeigen, was alles möglich wäre», erzählt Keller. «Sie betonte, dass die Richtofferte nur ein Entwurf sei und später bei einer Detailbesprechung präzisiert werde. Sie sagte auch, dass sie bewusst alle Optionen aufliste, und wir danach nur das zahlen würden, was wir wirklich benötigen.»

Sie sagten die Hochzeit ab

Das Paar habe sich wenige Tage später für eine Hochzeit im «Heuboden» entschieden, ein Datum im September 2025 reserviert und dafür 2000 Franken angezahlt. Im Dezember 2024 haben sie dann eine Einladung zur internen Hochzeitsmesse im Januar 2025 im «Heuboden» erhalten. Dieser Einladung seien auch die AGB des «Heuboden» angefügt gewesen, die sie vorher noch nicht erhalten hätten.

Dann wurde Kellers Partnerin schwanger. «Wir wollten die Hochzeit wie geplant feiern», erzählt Keller. Deshalb habe das Paar nach dem Besuch der Hochzeitsmesse auch die Anzahlung von zusätzlichen 12’000 Franken getätigt, die der «Heuboden» gefordert habe. Dies, obwohl die versprochene Detailbesprechung nie stattgefunden habe.

Im April 2025 kam das erste Kind des Paares zur Welt. «Wir merkten schnell, dass uns die neue Aufgabe forderte und wir den Fokus nicht mehr auf die anstehende Hochzeit legen konnten. Schweren Herzens entschieden wir, das Fest vorerst abzusagen», erzählt Keller. Sie haben den «Heuboden» im Mai 2025 darüber informiert, also rund vier Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin. Keller sagt: «Wir waren uns bewusst, dass wir einen Teil der Kosten selbst tragen müssen.»

Sie schalteten eine Anwältin ein

Matthias Werder, der Chef des «Heuboden», habe dem Paar telefonisch mitgeteilt, dass er versuchen werde, die Lokalität am Tag der abgesagten Hochzeit neu zu vermieten. Sollte dies klappen, würden für das Paar keine Kosten entstehen. «Er meinte, er würde auf Social Media Werbung machen. Wir haben nie einen Post in diese Richtung gesehen», so Keller. Das Paar habe vom «Heuboden» nichts mehr gehört und im Oktober 2025 dann eine Mail geschrieben.

Sie haben vorgeschlagen, dass sie den Preis für die Miete plus fünf Prozent der Richtofferte bezahlen würden. «Den Rest – also rund 5000 Franken – forderten wir zurück, denn auf der Richtofferte waren auch Personalkosten, das Essen und weitere Auslagen aufgelistet, die dem ‹Heuboden› nie entstanden sind», sagt Keller. Auf diese Mail habe das Paar nie eine Rückmeldung erhalten. Auch zahlreiche Anrufe seien unbeantwortet geblieben. Erst als sie ihre Forderungen als eingeschriebenen Brief an den «Heuboden» schickten, erhielten sie eine Voicemail von Matthias Werder. «Er sagte, unser Vorschlag sei ‹jenseits› und wenn wir mit ihm diskutieren wollen, dann sollen wir vorbeikommen und uns mit ihm an einen Tisch setzen», so Keller.

Das Paar habe im März 2026 eine Rechtsanwältin eingeschaltet, um die Situation professionell einschätzen zu lassen. «Die Anwältin bestätigte uns, dass wir diese 5000 Franken zurückfordern können. Insbesondere deshalb, weil uns die AGBs viel zu spät gezeigt wurden», sagt Keller. Die Anwältin habe dann ein Schreiben mit einer Betreibungsandrohung aufgesetzt. Auf dieses Schreiben sei erneut keine Antwort gekommen.

Im Mai habe Keller die Betreibung eingeleitet, Matthias Werder habe Rechtsvorschlag erhoben. «Danach hat Matthias Werder mich um 1400 Franken betrieben. Ihm zufolge hätten wir noch mehr Geld für die Hochzeit anzahlen müssen», erzählt Keller. Auch er habe Rechtsvorschlag erhoben. «Die nächste Instanz ist die Schlichtungsbehörde. Wir beabsichtigen, dort einen Termin zu vereinbaren.» Für Keller ist die Sache noch nicht abgeschlossen. Das Paar hofft auf eine einvernehmliche Lösung.

Sie wurden fortlaufend vertröstet

Zwei Dienstleister und eine Lieferantin zeichnen ein ähnliches Bild des Umgangs. Einer von ihnen hat Matthias Werder über mehrere Jahre mit Infrastruktur beliefert. Er berichtet, dass ihm die fälligen Bezahlungen immer wieder von Matthias Werder versprochen wurden und er ihn ständig habe erinnern müssen. Er sei immer wieder mit Aussagen wie «Morgen zahle ich, dann bin ich im Büro» vertröstet worden. Werder sei dann aber nicht erreichbar gewesen. Mit seiner Konkursandrohung ging der Dienstleister bis vors Kantonsgericht, erst dann habe Werder bezahlt.

Ein anderer Dienstleister, der für den «Heuboden»-Chef gearbeitet hat, berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Werder habe Zahlungsversprechen ihm gegenüber wiederholt nicht eingehalten und ihn fortlaufend vertröstet. Matthias Werder sei jeweils «wie vom Erdboden verschluckt» gewesen. Der Lieferant habe ihn weder per Telefon noch über Nachrichten erreicht.

Eine Lieferantin berichtet gar von Lügen. Werder habe darum gebeten, für eine fällige Zahlung einige Monate Frist zu erhalten und in zwei Etappen bezahlen zu können. Dies haben sie ihm gewährt. Doch die erste Teilzahlung liess auf sich warten. «Matthias Werder hat immer wieder behauptet, schon bezahlt zu haben. Das war nicht der Fall», sagt sie. Auch sie berichtet, dass er Anrufe bewusst nicht abgenommen und auf SMS und Mails nicht reagiert habe. Erst nach der Betreibung habe Werder die erste Teilrechnung bezahlt. «Dann hat er gefordert, dass wir die Betreibung löschen lassen. Erst dann würde er die zweite Teilrechnung bezahlen», sagt die Lieferantin. Dies akzeptiere sie nicht und werde nun weitere Schritte einleiten.

Werder wird den «Heuboden» verlassen

«Heuboden»-Chef Matthias Werder schiebt die Schuld von sich. «Eine Auseinandersetzung ist nicht immer einseitig und entsteht über eine längere Zeitspanne», schreibt er. Finanzielle Engpässe begründet er mit «Zahlungskonditionen bei Firmen», da diese «meist erst nach 90 Tagen» bezahlen würden, und mit dem angeblichen Raub eines Tresors: «Dieser wurde ohne Einbruchsspuren und ohne Erfassung der Überwachungskameras aus dem ‹Heuboden› geholt.» Er habe eine Vermutung, wer dahintersteckt. «Auf jeden Fall muss sich die Person sehr gut ausgekannt haben, und auch einen Schlüssel hatte sie.»

Schaden wollte er niemandem, so Werder. «Nach so vielen Jahren können wir natürlich nicht mit allen dicke Freunde sein, aber wir geben unser Bestes.» Er gibt zu, nicht immer erreichbar zu sein, obwohl er das Gefühl hat, «ständig am Telefon zu sein».

Zudem kündigt Werder seinen Abschied vom Eventlokal an: «Da ich nur noch bis Mitte nächstes Jahr für den ‹Heuboden› arbeite, sind wir auch bei der Umstellung und Einarbeitung der neuen Gruppe», schreibt er. «Dann sind es zwei Geschäftsführer, mindestens einer nimmt dann sicher immer das Telefon entgegen.» Er gehe auch von Anpassungen bei den Zahlungskonditionen aus.

Hinweis

*Name wurde von der Redaktion geändert.

Veröffentlicht in der Zuger Zeitung

Bild: Alexandra Wey (Holzhäusern, 6. 6. 2026)