Schwarzarbeit und Prostitution in der Zuger «Im Hof Bar»?

Nach Hinweisen auf eine mögliche Kontaktbar berichten nun zwei Frauen von einem ausbeuterischen System und fragwürdigen Arbeitsbedingungen. Die Polizei und der Geschäftsführer äussern sich zu den Vorwürfen.

Wie unsere Zeitung Anfang Mai publik machte, deuten verschiedene Beobachtungen und Hinweise darauf hin, dass die «Im Hof Bar» im Zentrum der Stadt Zug zu einer Kontaktbar geworden ist. Der Geschäftsführer Vicente Garcia Lübke streitet dies jedoch ab und auch bei der Zuger Polizei waren bis dahin keine diesbezüglichen Beschwerden eingegangen.

Nun haben sich zwei Frauen bei unserer Zeitung gemeldet und berichten von problematischen Zuständen in der «Im Hof Bar» und einem ausbeuterischen System des Geschäftsführers. «Einige Frauen, die für Garcia Lübke arbeiten, haben keinen Arbeitsvertrag», sagt Sofia R.*. Sie habe in der «Widder Bar» gearbeitet, sei aber auch regelmässig in der «Im Hof Bar» gewesen und habe die Arbeitsbedingungen dort beobachtet. Die «Widder Bar» am Landsgemeindeplatz ist als Kontaktbar bekannt. Garcia Lübke ist dort ebenfalls involviert, wie er selbst erzählt hat. Zudem kenne Sofia R. einige Frauen persönlich, die in der «Im Hof Bar» arbeiten oder gearbeitet hätten.

Prostitution gehöre zum Geschäftsmodell

«Jede Frau erhält pro Schicht fix 100 Franken. Den Rest muss sie sich verdienen, indem sie die Kunden durch Flirten, Berührungen, Küsse und je nachdem mit Sex überzeugt, Alkoholflaschen zu kaufen. Pro Flasche erhält sie 150 Franken Schwarzgeld», erzählt Sofia R. «Diese Frauen kommen etwa aus Rumänien, Italien, Belarus, Lettland oder der Ukraine. Die meisten sind Mitte 20 und wissen anfangs oft nicht, worauf sie sich einlassen. Wenn eine Frau geht, kommt gleich die nächste.»

All das bestätigt auch Livia F.*, die selbst in Garcia Lübkes Lokal gearbeitet habe. «Unser Lohn war abhängig von der Anzahl verkaufter Flaschen und wurde uns immer bar ausbezahlt», sagt sie. «Garcia Lübkes Aussagen gegenüber der Presse entsprechen nicht der Wahrheit. Wir waren keine Kundinnen und auch keine einfachen Barkeeperinnen.» Als unsere Zeitung zuletzt über die Bar berichtete, erklärte Lübke, er suche erfahrene und gut aussehende Bartenderinnen.

Für Sofia R. jedoch ist klar, dass in der Bar Sexarbeit stattfindet: «Die Aktivität beschränkt sich nicht nur auf die Animation. Sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt zwischen dem Personal und der Kundschaft werden direkt in den Räumlichkeiten der Bar vollzogen, also im Hinterzimmer oder auf der Toilette. Das Lokal fungiert somit als logistische Basis für die Prostitution.»

Auch das bestätigt Livia F. Sie erzählt: «Im Obergeschoss der Bar ist ein privater Raum eingerichtet, in dem sich die Frauen ausziehen und sexuelle Dienstleistungen anbieten.» Gemäss Sofia R. müssen Kunden für den Zutritt zu diesem Raum zusätzlich hohe Beträge bezahlen.

Geschäftsführer soll Kokain-Konsum befürworten

Nebst diesem Provisionssystem, der Schwarzarbeit und der Prostitution berichten die beiden Frauen auch von «systematischem» Drogenkonsum. Livia F. sagt: «In der Nacht verändert sich die Atmosphäre im Lokal völlig. Nebst Alkohol konsumieren die Frauen gemeinsam mit den Gästen Kokain.» Dies sei eine Strategie, um die Kunden noch kaufwilliger zu machen, so Sofia R.

Der Konsum erfolge direkt an den Tischen, der Geschäftsführer wisse davon und heisse dies sogar gut. «Für die Frauen ist das gefährlich», sagt Sofia R. «Sie trinken oft mehrere Tage nacheinander viel Alkohol und nehmen Drogen. Zudem können die Kunden durch das Kokain aggressiv werden.»

Auch von einer «Personalwohnung» in Hünenberg erzählen die beiden Frauen. Dass es diese Wohnung gibt, hat Garcia Lübke selbst bestätigt und damit in einem Facebook-Inserat geworben. Livia F. hat selbst dort gewohnt und sagt: «Es gibt ein Transportsystem, welches von Garcia Lübke koordiniert und bezahlt wird. Zwischen 20 Uhr und 22 Uhr holte uns jeweils jemand in Hünenberg ab und fuhr uns zur Arbeit. Am Ende der Schicht brachte uns ein Taxi direkt zur Wohnung zurück. So konnte verhindert werden, dass wir uns unabhängig fortbewegen.»

Keine Bewilligung für längere Öffnungszeiten

Gemäss Sofia R. und Livia F. wurden die Frauen vom Geschäftsführer teils respektlos behandelt. Sofia R. sagt: «Garcia Lübke hat einer Frau gesagt, sie sei zu ernst für diesen Job und sie müsse abnehmen.» Zudem habe Garcia Lübke selbst auch Sex mit einigen Frauen gehabt, die für ihn arbeiten.

Die beiden Frauen bestätigen auch, dass die «Im Hof Bar» regelmässig noch nach Mitternacht betrieben werde. Die Öffnungszeiten wurden auf Google Maps kürzlich bis vier Uhr morgens verlängert. Fest steht: Das Lokal hat keine Bewilligung für verlängerte oder generell längere Öffnungszeiten nach Mitternacht, wie die Stadt Zug auf Anfrage mitteilt. Die Kriterien für längere Öffnungszeiten sind im Gastgewerbegesetz definiert. «Es werden die Punkte Betriebsführung, örtliche Lage sowie die Art und Umfang des Betriebs geprüft», schreibt die Stadt.

Die Öffnungszeiten der «Im Hof Bar» wurden auf Google Maps bis vier Uhr morgens verlängert.
Bild: Screenshot Google Maps (28. 5. 2026)

Polizei hat das Lokal kürzlich kontrolliert

Dieser Zeitung liegt eine Mail vor, in der Sofia R. sich mit ihren Vorwürfen an den Stadtzuger Ortspolizisten wendet. Sie habe bisher noch keine Antwort erhalten, erklärt sie. Die Vorwürfe der beiden Frauen sind happig. Ihre Schilderungen legen nahe, dass der Geschäftsführer wie ein Zuhälter agiert und die Betroffenen möglicherweise ausbeutet. Ob sich der Barbetreiber tatsächlich strafbar gemacht hat, lässt sich bislang nicht belegen, wie die Anfrage bei der Zuger Polizei zeigt.

Diese antwortet sehr allgemein: «Gehen bei der Zuger Polizei Hinweise auf mögliche strafbare Handlungen ein, werden diese selbstverständlich geprüft und, sofern sich ein Anfangsverdacht ergibt, die zuständigen Stellen einbezogen beziehungsweise die erforderlichen Massnahmen eingeleitet.» Die Polizei mache keine Angaben dazu, ob gegen eine bestimmte Privatperson ein Strafverfahren geführt wird oder wurde.

Bei der «Im Hof Bar» sei in «jüngster Vergangenheit» eine Kontrolle durchgeführt worden. «Dabei wurden keine gesetzlichen Verstösse festgestellt.» Auch sind uns keine Lärmklagen oder anderweitige offizielle Beschwerden bekannt», so die Zuger Polizei. Sie könne aus Gründen des Persönlichkeits- und Verfahrensschutzes keine weiteren Angaben zu allfälligen Feststellungen oder laufenden Abklärungen machen.

«Das ist absoluter Blödsinn»

Geschäftsführer Vicente Garcia Lübke streitet entschieden ab, dass seine Angestellten sich prostituieren oder dass einige Frauen keinen Arbeitsvertrag von ihm erhalten. «Das ist absoluter Blödsinn», sagt er am Telefon. Auch, dass die Bar bis vier Uhr morgens geöffnet habe, stimme nicht: «Wir schliessen spätestens um halb eins am Morgen.»

Drogenkonsum gebe es überall, so Garcia Lübke. In seinem Lokal dulde er dies jedoch nicht, denn er sei ein Feind von Drogen: «Ich habe ab und zu Spuren von Kokain auf dem WC entdeckt. Wenn ich jemanden erwische, bekommt die Person Hausverbot oder eine fristlose Kündigung.»

Ein Kündigungsgrund ist für den Geschäftsführer offenbar auch ungenügend attraktives Aussehen: «Es stimmt, dass ich einer Frau gesagt habe, sie sei zu ernst und müsse abnehmen. Die Frauen verdienen mit ihrem Aussehen und ihrem Körper ihr Geld und ihr Trinkgeld», sagt der Geschäftsführer. Gutes Aussehen der Frauen verleite die Kunden dazu, mehr zu konsumieren. Er bezahle «mindestens doppelt so viel» wie andere Gastrobetriebe und erwarte dementsprechend, dass seine Angestellten sich Mühe geben – auch beim Aussehen. Der Geschäftsführer ergänzt seine Aussagen durch sexistische Bemerkungen über das Gewicht von Frauen.

Er schliesst Sex mit Angestellten nicht aus

Eine Art Provisionssystem gebe es zwar, dieses funktioniere aber anders, als Sofia R. und Livia F. es erzählen würden: «Meine Angestellten bekommen nebst einem Grundlohn alle zwei bis drei Monate eine Prämie. Diese fällt je nach Umsatz unterschiedlich hoch aus.»

Dass seine Bartenderinnen meist aus dem Ausland kommen, sei korrekt: «Das spielt ja keine Rolle.» Ihm zufolge erhalten seine Angestellten ihren Lohn grundsätzlich per Kontoüberweisung. Er räumt jedoch ein: «In Ausnahmefällen bezahle ich auch mal einen Vorschuss bar aus. Besonders dann, wenn eine Frau ganz neu in der Schweiz ist, kaum Geld und noch kein Bankkonto hat.»

Auch den Taxidienst, von dem Sofia R. und Livia F. berichten, gebe es. «Manchmal nutzen sie auch den ÖV, aber ich organisiere oft den Personaltransport», sagt Garcia Lübke. Auf die Frage, ob er selbst manchmal Sex mit Angestellten habe, antwortet er: «Das ist Privatsache. Aber wieso nicht? Ich bin schliesslich single.» Das Machtverhältnis sehe er dabei nicht als Problem.

Einige seiner Mitarbeiterinnen dürften dies anders beurteilen. Livia F. jedenfalls ist froh, nicht mehr in der Bar tätig zu sein. Auch Sofia R. sagt, es beschäftige sie immer noch, was sie im Lokal miterlebt habe.

Hinweis

*Namen wurden von der Redaktion geändert.

Veröffentlicht in der Zuger Zeitung